Diese Ausstellung vereint die Arbeiten zweier Künstler, die zwar auf den ersten Blick in ihrem Auftreten nicht unterschiedlicher sein könnten, aber die beide doch - jeder auf seine besondere Weise - Wesenszüge und Fragen der Menschlichkeit, sowie deren grausamste Auswüchse in einer besonderen Verbindung mit der Natur, sensibel zur Sprache bringen und den Betrachter so tief im Innersten rühren. Beide Künstler offenbaren mit einigen Arbeiten Unvorstellbares und kehren aber mit großer Zartheit in einigen anderen Arbeiten auf den menschlichen Ausgangspunkt zurück.

 

Richard Bodyn drückt es folgendermassen aus Wo Kunst ist, ist Leben. Das wundervollste Beispiel dafür ist der Baum, dem ich erst Leben geben darf, nachdem er sein erstes beendet hat. Nicht nur der "lebendige" Baum hat Bedeutung, sondern auch wenn er als Werkstoff Holz in die Hände eines Bildhauers fällt und von der Natur so auch in den Innenraum transferiert wird, um dort nicht nur von seiner Schönheit und Haptik der Oberfläche, sondern auch die gewachsenen Jahresringe, die erkennbaren Vernarbungen und Verwundungen des Holzes erzählt. Wenn Richard Bodyn aus diesem rohen Material schließlich Portraits schneidet und formt, findet sich nicht alleine die Bedeutung des Werkstoffes, sondern auch die Dargestellten, in einer weiteren gedanklichen Ebene. Das Trägermaterial birgt bereits eine Geschichte in sich und wird durch ihr Antlitz und ihre Gestalt so scheinbar in eine Zeitschleife gesetzt.

 

So referiert die Skulptur "Malka" auf die in Auschwitz ermordete Jüdin Malka Zimetbaum, die aufgrund ihrer helfenden Art im Lager sehr geschätzt wurde und eine wichtige Rolle im Lagerwiderstand spielte. Die beiden Portraits der von der Gestapo 1943 hingerichteten Münchner Widerstandskämpfer Sophie und Hans Scholl, stehen neben Herwig Prammers Arbeiten der Serie HASENJAGD. Dabei erzählt Herwig Prammer in seiner fortführenden Werkgruppe, wie sehr Landschaft als ein Gedächtnis abscheulichster Grausamkeit interpretiert werden kann. Das Mühlviertel als Ort eines der dunkelsten Kapitel unseres Landes, kann von einem wissenden Menschen nicht mehr als die Landschaft seiner Kindheit und Jugend gesehen werden, sondern wird immer in Verbindung mit den Verbrechen der Nationalsozialisten und der Zivilbevölkerung, die gnadenlos Flüchtlinge jagdten, assoziiert werden.

In das Zeitalter vor seiner Sprache kehrt Herwig Prammer mit seinen zarten Arbeiten der ÜBERGÄNGE zurück, wenn er in jahrelangen Arbeitsprozessen mit den ursprünglichsten Elementen wie Erde, Sand, Pigment, Öl…. auseinander, indem er in unzähligen Schichten immer wieder diese mit einander auf den Bildträger verschmilzt, abkratzt und übereinander setzt.

 

Herwig Prammer ist nicht nur als Fotograf und Maler, sondern auch als akademischer Landschaftsökologe und Landschaftsplaner mit der Natur verbunden. Dies eint ihn auch mit Richard Bodyn, dessen Hauptaugenmerk für seine Skulpturen auf den Materialien Holz, Stein und Metall liegen. Mit ihren Arbeiten sezieren die beiden Künstler Themen, die <IN UNS> als kollektives Gedächtnis, als unser menschlicher Ursprung der Empfindungen und auch jener der grausamsten Wirklichkeiten sind.

 

www.bodyn.at
www.prammer.com

 

Richard Bodyn

Malka

 


Herwig Prammer

Hasenjagd

 

 


<IN UNS>
Richard Bodyn | Herwig Prammer

 


Eröffnung: 10. März 2021, 17.30 - 19.30 Uhr

 

Kuratorenführungen (max. 3 Personen im 30 Minuten - Slot): 15 - 17 Uhr
Kuratorin: Gabriele Baumgartner
Anmeldung unter: Gabriele-Baumgartner@gmx.net, studio@prammer.com oder richard@bodyn.eu

 

Ausstellungsdauer: 10. - 20. März 2021

 

 

Galerie Kunst!Raum
Sechshauser Straße 47
1150 Wien

 

 

 

Öffnungszeiten bei laufenden Ausstellungen
Montag bis Samstag täglich von 13-18:00 Uhr

 


Vorbereitungen / Planungsgespräche:

Richard Bodyn hat schon in die Auslage der Galerie die Ankündigung gestellt.

Foto: Richard Bodyn
in der Galerie Kunst!Raum
Herwig Prammer und ich zwischen den beiden Skulpturen Malka und Morbidius

von Richard Bodyn

22. Dezember 2020.