Das Konstrukt Landschaft

Claudia Dorninger-Lehner und Julia Dorninger

 

Eröffnung:

Dienstag 09.März 2021, 19 Uhr

Galerie am Park, Liniengasse 2a, 1060 Wien

Künstlerinnen: Claudia Dorninger-Lehner und Julia Dorninger

Kuration: Gabriele Baumgartner

 

Aufgrund der derzeitigen Situation ist eine Eröffnung im herkömmlichen Sinne leider nicht möglich, daher lädt die Galerie von 17 -19 Uhr (unter den derzeit gültigen Corona Bestimmungen)

zu einem soft opening ein, dh. Besichtigung der Ausstellung nur einzeln und mit FFP2-Maske.

Um 19 Uhr findet die digitale Eröffnung via Zoom statt:

 

Klicken Sie bitte auf diese URL, um teilzunehmen. https://us02web.zoom.us/j/87373957043?pwd=UXpWRkdJTWswSm5BRVRpYjlRWkk0QT09

Kenncode: 093935

 

Ausstellungsdauer:

10.03.2021-19.03.2021

 

Wir freuen uns auf Besuche während der Öffnungszeiten der Galerie:

Öffnungszeiten: Mo-Fr 16:00-19:00, Sa 11:00-19:00

 

Vortrag und Artist Talk:

Die Veränderung der Wahrnehmung von Landschaft, Gabriele Baumgartner

Vortrag und Artist Talk mit den Künstlerinnen der Ausstellung Claudia Dorninger-Lehner und Julia Dorninger

Moderation: Christian Smodics

12.März 2021, 19 Uhr

 

Klicken Sie bitte auf diese URL, um teilzunehmen. https://us02web.zoom.us/j/82894893762?pwd=ZlZSRldtQ1I2Vmo5U1pWekxYcm82UT09

Kenncode: 865950

 

 

Das Projekt Das Konstrukt Landschaft zeigt Landschaftsraum als Essenz individueller Emotionen (Claudia Dorninger-Lehner) und Synthese relevanter Handlungen (Julia Dorninger). In der Ausstellung treten die Künstlerinnen-Geschwister über Fotografie und Installation miteinander in Dialog bzw. führen ihre unterschiedlichen Ansätze zu neuen Bildkompositionen zusammen. (Gabriele Baumgartner)

(Ausstellungstext: Siehe weiter unten)

Julia Dorninger, Krimmler Wasserfälle, 2017-2020, Fotografie und Mixed Media, je 29,7x21cm

Claudia Dorninger-Lehner, Julia Dorninger, Aus der Serie Double, 2020, Fotografie und Tusche, je 70x100cm

Claudia Dorninger-Lehner, Ammoudi, Santorin 2017, Inkjet-print auf Fine Art Papier, 50 x 100 cm

Claudia Dorninger-Lehner, Kilkee Cliffs, Irland 2018, Inkjetprint auf Fine Art Papier, 70 x 100 cm

Ausstellungstext Das Konstrukt Landschaft

Die Geschwister Claudia Dorninger-Lehner und Julia Dorninger bewegen sich mit ihren Konzepten an der Schnittstelle von Kunst und Architektur, die Auseinandersetzung mit der Raumwahrnehmung bis zur Raumaneignung sind essentielle Grundthemen ihrer Arbeiten. In ihrem aktuellen Projekt gilt ihr Interesse dem Landschaftsraum. Während sich Claudia Dorninger-Lehner intensiv mit der Perzeption bzw. Rezeption von Landschaft im Kontext von Zeit und Emotion auseinandersetzt, untersucht Julia Dorninger Landschaftsstrukturen und deren Aneignung durch menschliches Handeln.


Das subjektive Gefühl der Wahrnehmung bei Betrachtung einer Landschaft thematisiert Claudia Dorninger-Lehner, wenn sie in Serien wie Was bleibt? oder Vier Sekunden Gegenwart die Landschaft als ein Konstrukt individueller Emotionen offenlegt. Sie nähert sich dabei einem in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts neu gewonnenen Verständnis für Landschaftswahrnehmung über ein offensichtlich subjektives Empfinden der Landschaft, das in Künstlern wie William Turner, Eugene Delacroix oder Caspar David Friedrich seine  Vorreiter fand.

Anders die Arbeiten von Julia Dorninger. In ihren Fotoarbeiten bzw. Mixed Media Werken und raumgreifenden Installationen möchte sie zur Essenz der Landschaft vordringen, indem sie Oberflächen, Strukturen und Handlungen analysiert, bestimmte Einzelelemente identifiziert, selektiert und sie zu neuen Bildkompositionen zusammenfügt. Landschaft wird so zur Synthese relevanter Objekte und Handlungen.

In der Serie Doubles führen die Geschwister ihre gegensätzlichen Ansätze zu neuen Bildkompositionen zusammen. Über die Kombination ihrer Arbeiten versuchen die Künstlerinnen, unabhängige Ereignisse in eine neue Beziehung zueinander zu setzen, Wahrnehmungsebenen zu überlagern und Zeitpunkte zu verweben. So entsteht ein ganz neuer Blick auf die jeweilige Situation.

Zum Vortrag und Artist Talk

Die Veränderung in der wahrnehmung der landschaft

Die Wiedergabe von Landschaft spielte bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts lediglich eine Rolle in der begleitenden Szenerie, um mit deren Hilfe die Darstellung der Motive in einen Handlungsort einzubetten und um auch -über einen Ausblick auf weit entfernte Hügelketten, Stadtansichten oder charakteristische Orte- eine Bildtiefe zu erzeugen. Somit lag die Bedeutung der Landschaftsdarstellung in der Begleitung, Ergänzung oder Spezifizierung. Die im gegenwärtigen Kontext einer Ausstellung oder des Handels präsentierten bzw. angebotenen Landschaftsdarstellungen alter Meister dienten in ihrer ursprünglichen Intention dem Künstler lediglich zum Memorieren seiner Eindrücke und um charakteristische Landschaftsmerkmale festzuhalten, die gegebenenfalls in Auftragsarbeiten eingeflochten wurden. Nur wenige explizit als „Portrait“ einer Landschaft zu klassifizierende Kunstwerke zeigen in ihrer Provenienz einen Auftraggeber, der seine Besitztümer in aktueller Form festgehalten haben lassen wollte. In einer eigenen Kategorie muss aber auch die niederländische Genremalerei der Seestücke des 17. Jahrhunderts klassifiziert werden, da diese sicherlich ein vages Mittelstück der Entwicklung darstellt.

 

Jedoch änderte sich die Wahrnehmung der Landschaft eindrucksvoll mit der „Entdeckung“ der Welt: Naturforscher wie Alexander von Humboldt (1769 – 1859) revolutionierten in Europa das Interesse an und das Wissen über andere Länder, deren Fauna und Flora sowie deren Kulturen. Der beginnende Klassizismus – eingeläutet durch die französische Revolution und den folgenden politischen Umbruch in Europa – generierte ein anderes ästhetisches Empfinden und erweckte Wissenschaften wie zum Beispiel die Archäologie endgültig zum Leben. Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832) etwa war neben seiner Bedeutung als Dichter auch ein Enthusiast für Naturforschung und seine Abhandlung über die Farbenlehre prägte als eine Grundlage weitere Generationen. Die Entwicklung im Denken und in der Sichtweise der Gesellschaft fand bedeutenden Widerhall in der Kunst. William Turner, Caspar David Friedrich und vor allem Eugene Dèlacroix ebneten den Weg, der sich über die französische bzw. russische Kunst weiter entwickelte und bei Paul Cezanne und später den Impressionisten zu neuer Blüte fand. Die beginnende Rezeption außereuropäischer Kunst und vor allem der geradezu epochale Eindruck und die Auswirkung des Japonismus läuteten schließlich die endgültige Revolution ein, deren Höhepunkt in der Wahrnehmung der Landschaft sicherlich die Künstler der „Brücke“ und ihre Aufenthalte an der Kurischen Nehrung waren. Der Weg war damit offen und im Laufe der Zeit entwickelten sich zeitgenössische Strömungen wie Landart oder speziell für den Außenraum, mit Bezug zur Landschaft konzipierte Arbeiten.

 

In diesem Vortrag werden mit einer „Bilderreise“ durch die Jahrhunderte und somit durch die Kunstgeschichte die Veränderungen in der Wahrnehmung von Landschaft verdeutlicht. Ausgewählte Fallbeispiele zeigen die Entwicklung und münden in einem Artist Talk mit den beiden Künstlerinnen der Ausstellung.

Die Moderation des Gespräches übernimmt Christian Smodics.

Kurzbiografien der beiden Künstlerinnen

Claudia Dorninger- Lehner, Architektin und Künstlerin, lebt und arbeitet in Perchtoldsdorf bei
Wien, beschäftigt sich überwiegend mit experimenteller künstlerischer Fotografie, Kursleiterin
für Architektur- und Fotografiekurse. Studium der Architektur an der TU-Wien und der
University of Strathclyde in Glasgow, Diplom 1997, Lehrgang für künstlerische und
angewandte Fotografie an der Prager Fotoschule Österreich, Diplom mit Auszeichnung 2015,
Résidence d'artiste Clervaux - cité de l'image, September 2016.
Zu ihren Ausstellungen aus jüngster Zeit zählen ua. Wahr-nehmungen I Galerie District4art,
Wien, Urbane (De)kodierungen, I sehsaal, Wien, Haben und Brauchen I Künstlerhaus Wien
Ihre Arbeiten waren ua. im WUK Wien (2018), im Architekturforum Linz (2017), im MAK Wien
(2018, 2015) und im Ars Electronica Center Linz (2015) zu sehen.


Julia Dorninger, Architektin und Künstlerin, lebt und arbeitet in Wien, Studium der Architektur
an der TU Wien und an der ENSAPLV Paris (Diplom 2001), Zeichnerische Studien an der
Akademie der bildenden Künste Wien und an der ENSBA Paris, Stipendiatin bei Gerhard Rühm
an der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg.
Ihre Arbeiten waren ua. im Künstlerhaus, Wien (2019, 2005), im 21er Haus, Wien (2014), in der
Galerie 3, Klagenfurt (2010), in der Galerie in der Freihausgasse, Villach (2007), im
Leopoldmuseum, Wien (2006) und im WUK Wien (2002) zu sehen.
Julia Dorninger ist Finalistin des Superscape, Innovationspreis für visionäre Architekturprojekte
(2018) und des Christian Doppler Kunstpreises (2017). Zudem ist sie Wettbewerbs-
Preisträgerin internationaler Architekturwettbewerbe.
Ihre Arbeiten sind Teil der Fotosammlung des Bundes und einiger Privatsammlungen im In-
und Ausland.

 

Julia Dorninger www.juliadorninger.com


Christian Smodics

Seit 10 Jahren „lebt“ die ipcenter.at | Raum für Bildung aufgrund ihres Engagements – ip.forum - in ihren Räumen des Hauptquartiers in Wien mit Kunst. Sie bietet in einem ungezwungenen Rahmen ihren Mitarbeitern, Partnern und Freunden sowie Kunstinteressierten die Möglichkeit, aufgrund der Ausstellungen, Lesungen und Diskussionsrunden in ihren Räumlichkeiten sowie Atelierbesuche bei Künstler*innen die Perspektive zu wechseln und Neues mit anderen Sichtweisen kennenzulernen. Der im März 2020 gestartete Blog Kultur frei Haus unterstützt besonders Künstler*innen in dieser schwierigen Zeit, in der öffentlichen Wahrnehmung einen digitalen Platz zu finden und Kunstinteressierten auch einen Austausch in der Distanz zu ermöglichen.

Christian Smodics - Leitung Strategische Entwicklung des ipcenter – interessiert sich nicht nur privat für Kunst, sondern engagiert sich auch im ip.forum, vor allem als Gastgeber und Moderator literarischer Veranstaltungen, fungiert als bereichernde Schnittstelle, an der neue digitale Erkenntnisse und Entwicklungen des Wirtschafts- und Wissenschaftssektors in den künstlerischen Kontext eingebunden werden um Neues zu ermöglichen.

 

www.ip-forum.at


Gabriele Baumgartner, Kunsthistorikerin und Kuratorin, lebt in Euratsfeld und arbeitet überwiegend in Wien. Neben jahrelangen Projekten wie dem ip.forum und der Aufarbeitung des schrifltichen Nachlasses von Josef Mikl, kuratiert sie Ausstellungen zu verschiedenen Themen, Veranstaltungen und Lesungen, schreibt Texte über Künstler*innen und erarbeitet seit 2019 gemeinsam mit Julia Dorninger ihre Projektreihe „Wissenschaf(f)t Kunst“.