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Ich geh mit meiner Laterne.... der Hl. Martin - Teil 4 der unendlichen Saga der Lostage

Oh, wie war der Kindergarten schön! Es sind sogar noch viele Prägungen von dieser Zeit in meinem Gehirn vorhanden. Eines der eindeutigsten: Sobald der Name Hl. Martin in irgendeiner Weise erwähnt wird, erklingt in meinem Kopf schon das wunderbare Laternenlied:

 

Ich geh mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir.

Dort oben Leuchten die Sterne und unten leuchten wir. ....

 

Aber nicht nur Kindergartenkinder sind Fans vom Hl. Martin. In meiner Schulzeit hießen immer mindestens 2 in der Klasse Martin. Wurscht in welcher meiner Schulen. Ergo: Bei uns 70er Jahre Kindern war der Name hoch im Kurs. Dicht gefolgt vom Namen THOMAS.

Martin, 11. November

Als Lostag war natürlich der Gedenktag des Hl. Martin auch nicht ganz uninteressant:

Da die Reime zum Lostag des Hl. Martin so schön mit  Bäumen zu tun haben -> Wolkenbild mit Baum!

 Ist um Martini der Baum schon kahl, macht der Winter keine Qual.

 

Wenns Laub nicht vor Martini fällt, kommt eine große Winterkält`.

 

Hat Martini weißen Bart, wird der Winter lang und hart.

 

Naja und jetzt wieder zum Gschichtl dazu: Martin von Tours wurde entweder 315/ 16 oder auch erst um 336 in Ungarn geboren. Am 8. November 397  verstarb er in der Nähe von Tours (Frankreich), wo er zuletzt als Bischof wirkte.  Das ist bekannt. Da Ungarn zu dieser Zeit ja  noch eine römische Provinz - Pannonia prima - war, dürfte er wohl als Sohn eines Römers mit dem lateinischen Namen Martinus geboren worden sein.

Jetzt wird es  in der Literatur ein wenig undurchsichtig und unlogisch: Martins Vater war ein Heide und schickte seinen fast zehnjährigen Sohn in seine Heimatstadt Pavia (Italien), damit der Sohn als Katechumene (Taufbewerber) unterwiesen wurde. Hmm, da keimt in mir die Frage auf: Wieso schickt ein Heide seinen Sohn zu einer Taufvorbereitung???

 

Nur zur Info: Bis ins 6. Jahrhundert wurden ausschließlich Erwachsene getauft und mussten sich dafür ein bis drei Jahre vorbereiten bzw. sie wurden vorbereitet. Dass Kleinkinder das Sakrament der Taufe erhalten und somit in die Christengemeinde aufgenommen werden, entstand erst im Mittelalter als traditionelle Handlung.

Der gute Martin war somit in guter erwachsener Gesellschaft und war neben seinen Taufvorbereitungen ab seinem 15. Lebensjahr mit seiner Militärlaufbahn beschäftigt. Die Kriege und Kämpfe ließen seinen Glauben noch ein Stückerl mehr wachsen und mit 18 wurde er getauft. Jetzt war er ein richtiger Christ und deshalb ließ er spätestens ein Jahr nach diesem Ereignis das Militär sausen. Eh klar, dass er auch Missionsarbeit in Illyrien leistete. Er hatte aber aufgrund des Widerstandes der Arianer bald die Nase voll und zog sich auf die Insel Gallinaria im Golf von Genua zurück. Dann wechselte er in die Nähe von Poitiers. Deshalb entstand dort auch 361 das erste Kloster. So quasi: Wer hats erfunden? Der Martin ist der "Erfinder" der Klöster.

Jaja. schon wieder die Arianer.....

Noch ein Hinweis. Das Baptisterium der Arianer in Ravenna unbedingt einmal ansehen: UMWERFEND schön.

Die Arianer waren eine christliche Glaubensrichtung, die von Arius (etwa 260 - 327) gegründet wurden und die die Dreifaltigkeit ablehnten: Jesus war nicht wesensgleich mit Gott, aber seine beste Schöpfung. Eh klar, dass am ersten Konzil von Nicäa (325) darum die Wogen hoch gingen. Schließlich waren alle anderen der Meinung, dass Jesus, Gott und der Heilige Geist eigentlich ein und dieselbe Person sind. Unlogisch, aber das habe ich in diesem Gschichtl - Blog ja schon ein paar mal kundgetan. Die Glaube an die Dreifaltigkeit war mein erster und ist immer noch mein überzeugendster Stolperstein, um den christlichen Glauben so ganz ernst zu nehmen.  Die Trinität ist halt echt schwer zu begreifen ...

 

Natürlich wurde nach dem Konzil, wo auch das erste Glaubensbekenntnis geschrieben wurde, Arius und seine Lehre sofort mit dem Kirchenbann belegt und sie der Häresie bezichtigt. Der Streit zog sich in die Länge, Kirchenväter haben Traktate für und gegen die Trinität und die Arianer geschrieben, der Kaiser wollte auch ein bisserl vermitteln, die Germanen, die getauft wurden, waren eher Anhänger der Arianer..... Bis der Arianismus schließlich Geschichte war und sich die Dogmen der römisch-katholischen Kirche - es gibt nur die Trinität - bis in den letzten Winkel der Länger durchsetzten.

Aber zurück zu Martin

Er hatte also die Nase voll von den Arianern und wurde Einsiedler.  Über Umwege wurde er dann doch noch 371 Bischof von Tours, wo er auch am 8. November 397 verstarb. Einen besonderen Stellenwert unter den Heiligen hat er ja schon für diese ganz besondere Leistung: Er war der erste Heilige, der NICHT ein Märtyrer war. Wieso wurde er heilig gesprochen? Da kommt die berühmte Mantelspende ins Spiel! Als er noch Offizier war, teilte er seinen Mantel mit seinem Schwert, um einem frierenden Bettler vor den Toren von Amiens den Kältetod zu ersparen. In der Nacht erschien Martin schließlich Jesus, der mit einem halben Mantel bekleidet, ihn so quasi geprüft hatte, ob er auch ein barmherziger Mensch sei.

 

So, die weiteren Wunder, die Martin vollbracht haben soll, sind aber sowas von gutmenschlich: Er bezwingt sogar einen Teufel, erweckt einige Menschen wieder zum Leben, heilt Besessene..... und so weiter und so fort. Die Liste der Wunder ist lang.

 

Auf Darstellungen wird Martin immer wieder als Bischof oder als Soldat mit einem Mantel dargestellt und ist so leicht erkennbar. Natürlich ist er der Patron von vielen Handwerksberufen und  unzählige Städten. Sehr viele Kirchen wurden ihm geweiht.

Der Martinstag selbst ist deshalb auch so ein markantes Datum, da es oft ein Abschlusstag des Wirtschaftsjahres war und die Arbeitsverträge mit diesem Stichtag ausliefen. Die Knechte und Mägde konnten - wie auch zu Maria-Lichtmess - ihren Dienstherren zu diesem Zeitpunkt wechseln.

 

Das Martinigansl am 11. November war auch traditionell das letzte große Festmahl bevor der kirchliche Zyklus mit den Weihnachtsfeiertagen und dem Advent sich in die Kurve legte. Angeblich kann man aus dem Brustbein der Gans auch noch das Wetter des kommenden Winters herauslesen. In manchen Gebieten ist der 11. November auch der Stichtag um den ersten Wein auszuschenken. Im Burgenland nennt man es daher "Martiniloben".

Was ist jetzt mit den Martinsumzügen und dem Laternenlied????

Da kommt jetzt ein anderer Martin ins Spiel: Martin Luther! Dieser Martin wurde am 10. November 1483 geboren (und verstarb am 18. Februar 1546). Irgendwann entwickelte sich in Thüringen der Brauch, dass am Geburtstag von Martin Luther Kinder mit Laternen und Lichtern einen Umzug machen, um dem Reformator und Protestanten zu gedenken. Da es auch der Vorabend des Gedenktages vom Hl. Martin ist, hat die katholische Kirche diesen Brauch natürlich von den Protestanten flugs übernommen, die beiden Martins ausgetauscht und so wurde der Umzug Teil der sogenannten "Lichtsymbolik".

Wie schon mehrmals erwähnt: Die römisch-katholische Kirche ist immer gschwind mit einer Umdeutung und einem Ummodeln auf ihre Bedürfnisse. Mittlerweile ist der Umzug und das Laternenbasteln fest in der Hand des Hl. Martin und keiner denkt dabei mehr an Martin Luther.

 

Aber ok, schließlich hat Martin von Tours ja seinen Mantel geteilt und einen TEUFEL bezwungen!!! Generell dürfte er ja ein Braver gewesen sein. Also hat er es sich verdient, dass man das Laternenlied ihm zu Ehren singt.

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