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Allerheiligen und Allerseelen

Natürlich gibt es für den November auch Sprücherl als Lostage, aber die passen gerade da nicht so gut hinein und sind auch nicht so spektakulär. Viel schöner ist es jetzt einfach über die zwei Tage zu schreiben, die ich eigentlich immer sehr gern habe.

Allerheiligen, 1. November

Nomen est omen: An diesem Tag wird aller Heiligen gedacht als Festum Omnium Sanctorum.. Nicht nur an jene, die eh einen eigenen Gedenktag haben, sondern auch an jene, die nur "heilig" gesprochen wurden, aber an diesem Tag sind auch jene inkludiert, von deren "Heiligkeit" nur Gott weiß. Conclusio: Alle dürfen sich an diesem Tag angebetet fühlen.

 

In der Ostkirche war man im 4. Jahrhundert schon soweit, dass die Anzahl an Heiligen, einen "Gesamt-Anbetungstag" notwendig machte. In Rom und somit der römisch-katholischen Kirche war es unter Papst Bonifatius IV  so rund um 609 / 610 soweit, dass man allen Heiligen gedenken sollte. Erst Gregor III (irgendwann in Syrien geboren und 741 in Rom gestorben) legte das Fest auf den 1. November. Jedoch war es nur für die Stadt Rom gültig und nicht in den anderen Ländern Europas. Erst Gregor IV fixierte es für die gesamte Westkirche auf den 1. November.

Und was ist jetzt mit den Kelten?

In der Literatur ist es recht schwierig herauszufinden, ob die Katholiken den 1. November wiederum auf die keltische Tradition überstülpten oder ob sie diesmal unschuldig sind. Der 1. November war im keltischen Brauchtum der Beginn des neuen Jahres. Der Abend davor wird ja als Halloween (All Hallows’ Eve) gerade in den letzten Jahren penetrant gefeiert.  Aus dem katholische geprägten Irland und ihren Auswanderern hatte sich dieser Brauch in den USA dann festgesetzt und wird nun kommerziell sehr schön beworben und gefeiert. Aber die Rückführung auf einen keltischen Brauch dafür ist recht fragwürdig. Es wird in der Literatur immer wieder genannt, dass All Hallows Eve das zweite wichtige Fest der Kelten - neben dem Beltane am 1. Mai - war. Schließlich haben die Kelten ja das Jahr in zwei Hälften geteilt: 1. November - 1. Mai = Winterhalbjahr, und 1. Mai - 1. November = Sommerhalbjahr.

 

In der Literatur wird aber auch immer sehr glaubwürdig argumentiert, dass Allerheiligen im 8. Jahrhundert in Italien mit dem 1. November fixiert wurde und dort waren die keltisch / irischen Bräuche um den Samhain / All Hallows Eve eigentlich nicht belegt bekannt. Dürfte vielleicht auch einmal ein Zufall sein, da ja auch die Stimmung zu dieser Jahreszeit für ein Totengedenken schon aufgelegt ist.

 

In unserer Region wird um diese Zeit auch der Allerheiligen-Striezel gegessen oder verschenkt. Eigentlich bekommt man diesen auch von seinen Tauf- oder Firmpaten mit anderen Geschenke beim Godntog.  Der Striezel ist ein aus Germteig geflochtener Zopf, der manchmal mit Hagelzucker bestreut ist. Ich hatte mir noch nie Gedanken gemacht, wieso er so ausschaut wie er ausschaut: Aber der geflochtene Zopf soll an die geflochtenen Haare erinnern, die man sich abschnitt, um zu zeigen, dass man gerade in Trauer ist. 

Wieder was gelernt ;)

Allerseelen, 2. November

An diesem Tag wird - wie der Name schon richtig meint - allen Seelen gedacht, die im Fegefeuer (Purgatorium) bruzeln und die es schon geschafft haben, einen Stock höher zu residieren. Auch an jene die das ganze umgangen sind und direkt in der ersten Etage eingecheckt haben.

Natürlich gibt es in der römisch-katholischen Kirche auch für die im Fegefeuer Schmorrenden einen eigenen Allerseelenablass, denn die Lebenden vom 1. - 8. November für die Toten machen können um sie zu befreien. Der Ablass (Indulgenz) bedeutet einen Straferlass, aber nicht die Vergebung der Sünde. Es gibt ihn auch als Teilablass oder vollkommenen Ablass im Angebot der Kirche. So jeder hat halt seine eigenen Konditionen dafür.

Wer hats erfunden?

Der legendäre Abt von Cluny - Odilo von Cluny (961/962 - 1049) - hat das Fest 998 n. Chr. für alle Klöster, die von Cluny abhängig waren, einführt. Und das waren bekanntlich dann viele. Über Odilo von Cluny müssten man ja eigentlich etliche Beiträge verfassen. Kommt vielleicht auch noch. Wer weiß???

Bald wurde der Gedenktag auch außerhalb der Klöster gefeiert und entwickelte sich rasch zum ständigen Begleiter von Allerheiligen. So entwickelte sich das spektakuläre Dia de Muertos in Mexiko aus einer Vermischung dieses Allerseelenfestes mit der indigenen Tradition.

 

Allerheiligen und Allerseelen ist für die Stimmung der Bevölkerung zu dieser Jahreszeit natürlich ideal, um an Tod, Auferstehung und die Hoffnung zu denken. Es ist draußen nass, trüb und schiarch, also prädestiniertes Wetter um über die Vergänglichkeit des Lebens und das Absterben kurz mal nachzudenken.

Bei so einem Thema kann man natürlich nur Eddie Vedder von Pearl Jam zitieren:

 

I know I was born and I know that I'll die
The in-between is mine
I am mine

 

(Song: I Am Mine, 2002)

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