Es scheinen winterliche Landschaften zu sein, die John Addams in seiner Serie „Wellenlänge 720“ den Betrachtenden präsentiert: Raureif bedeckte Bäume und Gräser säumen Wege und Straßen, weiße Flecken an den Wasseroberflächen von Flüssen und Seen wirken, als hätten eisige Temperaturen eine zarte Haut aus Eis auf das dunkle Nass gezaubert und scheinbar mit Schnee bedeckte Wiesen geben den Landschaften ihr weißes Kleid. Dazu kontrastieren die dunklen Blautöne des Himmels, der immer prägnant die Ausschnitte der Natur in Ruhe und Stille taucht.
Doch es sind keine Winterlandschaften.
Wie John Addams aber das Geheimnis dieses Eindruckes technisch vollbringt, wird er auch in seinem künstlerischen Nähkästchen gut versteckt behalten. Es muss für den Betrachter nicht immer offensichtlich sein, welche Werkzeuge ein Künstler anwendet, um seine gewünschte Aussage zu erzielen. Manches muss ein Rätsel bleiben und deshalb entsteht für den Betrachtenden der Eindruck von präsentierten Landschaftsausschnitten, die an jene aus einem Märchen erinnern und aus der Realität enthoben sind. Es darf sein, dass man sich in der Schönheit und dem Wechselspiel von Weiß und Blau einfach für einen kurzen Augenblick verliert und seiner Phantasie freien Lauf lässt.
Einen Maler würde niemand fragen, weshalb die Farben seines Landschaftsausschnittes nicht exakt der Realität entsprechen. Fotografen dagegen sollten ihre technischen Raffinessen verraten und werden damit konfrontiert, dass es nun ein künstlerischer Ausdruck und eine Sichtweise der Natur ist, die nicht dem Abbild entspricht. Doch auch diese Freiheit, etwas so zu sehen, wie es gerade seine Wahrnehmung ist, muss einem Fotografen zugesprochen werden. Um diesem lästigen Prozedere immer wieder zu entgehen, wählte John Addams seinen künstlerischen Namen als ein Pseudonym. Seine selbst gewählte Anonymität ist eine Befreiung des Kontextes seines bisherigen Tuns. Als Künstler kann er ungewöhnliche Ausblicke, Situationen und auch Orte so umsetzen und präsentieren, die er in diesem Moment selbst so wahrgenommen hat. Friedrich Schiller (1759 – 1805) meinte:
Denn die Kunst ist eine Tochter der Freiheit, und von der Notwendigkeit der Geister,
nicht von der Notdurft der Materie will sie ihre Vorschrift empfangen.
In Schillers Sinne dürfen die Landschaftsdarstellungen von John Addams auch gesehen und genossen werden. Ohne Frage nach dem Wie.
Zu John Addams
Um die Freiheit der Kunst in allen ihren Facetten fotografisch auszuloten, wählte John Addams diesen künstlerischen Namen als ein Pseudonym. Als ausgebildeter und beruflich immer aktive Fotograf waren doch gewisse Einschränkungen oder Vorgaben relevant, die nun in seiner selbstgewählten Anonymität und somit Befreiung des Kontextes seines bisherigen Tuns, in jede Richtung für ihn offen stehen. Sein tabula rasa der beruflichen Vergangenheit eröffnete ihm damit einen anderen Zugang, neue Möglichkeiten und eine Überwindung der Grenzen in seiner Ausdrucksmöglichkeit.



