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Quit nature: gepflanzt

quit nature

 

 

KünstlerInnen-Gruppe seit September 2022 

crackthefiresister, Fria Elfen,

Susanne Guzei-Taschner, Bruno Pisek,

Anita Steinwidder, Christiane Spatt, Alexandra Uccusic und Greta Znojemsky 

 

 


Wie der Mensch die Natur wahrnimmt, mit ihr lebt oder sie missachtet, sie bekämpft oder fördert, thematisiert die Künstlergruppe quit nature in ihren ironischen, kritischen, witzigen oder hinterfragenden Arbeiten. Wie dringend notwendig ein künstlerischer Diskurs zu diesen Fragestellungen in dieser Zeit wurde, verdeutlichen nicht nur die aktuellen klimatischen Bedingungen. Ein Aufrütteln und ein den Betrachtenden zum Nachdenken – im besten Fall zu einem Umdenken – Anregen, war immer auch ein essentieller Anspruch der künstlerischen Produktion, die in folgendem dem italienischen Maler und Bildhauer Michelangelo Buonarroti (1475 – 1564) zugeschrieben wird:

 

Kunst hat die Aufgabe wach zu halten,

was für uns Menschen so von Bedeutung und notwendig ist.

 

 

Die Ausstellung „gepflanzt“ spielt in ihrem Titel nicht nur mit dem dialektischen Ausdruck des liebevollen Neckens, sondern auch mit einer gärtnerischen Handlung des Setzens und damit einer Bereicherung der Vielfalt und einer Pflegen des Grüns. Ein zweiter Ausspruch eines Künstlers vergangener Jahrhunderte möge den Grundgedanken dieser Werkschau umreißen: Christian Morgenstern (1871 – 1914) fand folgende Worte um die Hinwendung zur Natur zu verdeutlichen:

 

Schön ist eigentlich alles, was man mit Liebe betrachtet.

Je mehr man die Welt liebt, desto schöner wir er sie finden.

 

 

Die Arbeiten der einzelnen Künstlerinnen und Künstler setzen thematische Schwerpunkte, wobei ein genereller Fokus auf ein Leben im urbanen Bereich gelegt wurde: So greift Anita Steinwidder in ihren textilen Tableaus die Problematik der städtischen Baumscheiben liebevoll auf. Der graue Kunstpelz soll die immer noch wachsende Versiegelung symbolisieren und vereinzelte kleine Blümchen werden sichtbar. Ebenso stellt sie die Frage, ob die Anzahl der Zäune wirklich notwendig ist.

 

Wie tief die Sehnsucht nach Natur, aber auch ihre Kontrolle in einem Menschen verankert ist, bringt Christiane Spatt in ihren Fotos zum Ausdruck: Mit einer vertrockneten Pflanze und das zweite Mal mit einer typischen Wohnungspflanze vor ihrem Antlitz, wird so quasi die Erfolgsrate sichtbar: Kümmert man sich nicht darum, geht sie ein und man muss immer wieder neue kaufen. Die Auswahl für ein Gedeihen im Innenraum ist beschränkt und konzentriert sich auf wenige Pflanzengruppen. Aber doch kann somit ein wenig Grün in den Lebensbereich integriert werden, auch wenn es dadurch bedeutet, der Natur eine gewisse Beherrschung ihrer zu geben.

 

Bruno Pisek greift die Problematik der Verantwortung und Zuständigkeit der einzelnen Interessensgruppen innerhalb eines Landstriches auf: Wo wird gebaut, wo wir Natur belassen, was wird entsiegelt und was versiegelt? Wo verlaufen die Grenzen der einzelnen Bereiche? Die attestierenden Arbeiten veranschaulichen aber, dass Wurzeln und das Wetter sich nicht wirklich an strenge Kataster und Hürden halten.

 

Wenn Susanne Guzei-Taschner Fundstücke in ihren Arbeiten kombiniert, sie überarbeitet und ergänzt, werden neue Sichtweisen auf die einzelnen Objekte von Nöten und Fragestellungen, woher wohl dieses eine oder andere Stück stammt, treten auf. Gleichzeitig wird das Fundstück – meist achtlos weggeworfen – hier mit einer neuen Bedeutung aufgeladen und seinem zuvor bestimmten Verfall entnommen und neues Leben eingehaucht. So entstanden „Secret Places“ zu denen ein visueller Spaziergang möglich ist.

 

Mit einer Konzentration auf die Bäume rund um das Amtsgebäude spielt Greta Znojemsky, wenn sie die Rinden und die Stämme bildnerisch darstellt und somit die Verbindung: Stamm-Baum und Baum-Stamm vollzieht. Die Verfasserin dieses Textes assoziierte sofort auch mit der Bedeutung der Bäume im Laufe der Menschheitsgeschichte wie die Weltenesche Yggdrasil der nordischen Mythologie oder den Holunder, den jedes Haus vor dem Haus, um es traditionell vor böse Geistern Feuer und Unglück zu schützen. Natürlich musste man beim Vorbeigehen den Hut vor diesem Bam ziehen.

 

Pflanzen, die unerwartet in ihren Garten wachsen und erst im zweiten Jahr ihre Schönheit entfalten, präsentiert Fria Elfen: Sie sind gekommen um zu bleiben!

 

Mit Ästhetik, Ironie und Witz arbeitet Alexandra Uccusic, wenn sie etwa die Augen der Dame und der Fische in der selben Größe präsentiert, die Lippen ähnlich und die Kopfform der Körperform entspricht: Mensch und Tier sind sich nicht unähnlich – auch wenn sie es nicht wahrhaben wollen.

 

Mit ihren Fotos zeigt crackthefiresister alltägliche oft unbemerkte Begegnungen mit der Natur, die Teil ihrer seit 2014 laufenden Serie „kaputt“ sind. Die Wahrnehmung betrifft auch Gesellschaftskritisches wie etwa den Umgang mit Objekten und Menschen generell und – wie in diesem Fall – das uns umgebende Grün. Es ist nicht gepflanzt, sondern passiert und doch soll es genauso so sein. Die Natur erobert den Raum und lässt sich hoffentlich nicht mehr vertreiben.

 

Der Begriff „Pflanzen“ meint so viele Richtungen und doch kann man es nur ein Schwesternwort geben: Leben.