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Kamelie im Garten: Die Hoffnung stirbt zuletzt

oder in Analogie zu Goethe:  Die Leiden des jungen Gärtners

Wir haben unsere Kamelie schon sicherlich seit 15 Jahren. Zuerst pflanzten wir sie mitten in den Park, damit sie von den anderen Sträuchern geschützt auch über den Winter kommt. Sie ist nicht eingegangen, aber auch nicht gewachsen. Das Spiel lief so: Ein Blatt verloren, eines gewonnen.

Wenig zufriedenstellend, wenn so eine Pflanze bei rund 20 cm herumgurkt.

Im Winter wurde sie brav mit Vlies eingemumt und zärtlich begutachtet, ob es ihr eh nicht zu huschi wird. In den Foren und Gartenartikeln wird immer von einer Winterhärte bis maximal - 5 Grad gesprochen, aber auch von wunderlichen Berichten über blühende Büsche im tiefsten Winter.

 

Aber es hat unserer Kamelie nix geholfen. Im Frühjahr bekam sie ein Blatt, ein Blatt ging.....Im Sommer kam vielleicht eines dazu, aber im Herbst war es dann wieder weg. Na und wenn sie uns dann schon so lange auf die Folter spannt und nix tut, musste das Risiko eines neuen Standortes eingegangen werden.

Etwa 2015 kuschelte sie sich dann schließlich im  Hortensien - Beet, rund 30 Meter weiter vom bisherigen Standort, in neue Erde. Jubelschreie: Sie wuchs sogleich bis zur beachtlichen Größe von 30 cm an!

Aber im Winter wieder das alte Spiel: Vlies rundherum, im Frühjahr zeitig gießen, damit sie ihren größten Feind "der Austrocknung" nicht ins Angesicht blicken muss. Das Blattspiel blieb aber auch dort das selbe.

Eigentlich wurde es mir zu blöd. Ein Terracotta Topf wurde ihr als Schutz von der östlichen Seite vorgelagert und jeweils zwei Hortensien flankieren sie nach Norden und Westen. So 2018 schließlich das Wunder: Sie wuchs über die Höhe des Topfrandes hinaus. Deshalb Risikospiel im Winter: Kein Vlies mehr, sondern lediglich Rindenmulch sollte die kalten Füßchen wärmen.

Im September 2020 schließlich mein Frontalangriff: Der Topf wurde blau gestrichen, weiterer Rindenmulch wurde verweigert, sondern nur mehr grobes, gehäckseltes Hainbuchenholz untermauerte meinen langsamen Liebesentzug und im Spätherbst 2020 habe ich das Häckselgut nur mehr ein wenig rund um den Stamm aufgeschüttet. 

Und siehe da: Sie ist im Spätherbst 2020 in unglaubliche Höhen geschossen und hat erstmals Knospen angesetzt. Nun im Jänner 2021 warte ich auf den Stinkefinger von ihr und so quasi den Gegenangriff in Form von geöffneten Blüten.

 

Wie gesagt: Die Hoffnung stirbt zuletzt!
(Und dann hätte ich sie gleich wieder unendlich lieb ;)

Knospenstand: 5. Jänner 2021

Wintereinbruch am 6. / 7. Jänner 2021 - aber noch halten die Knospen!